Mit welchem Klebstoff ans Holz?

Je nach Anwendungsbereich werden an Möbel, Fenster, Türen, Treppen, Deckenkonstruktionen etc. unterschiedliche Anforderungen gestellt.
Möbel mit runden Kanten, geschwungenen Türen, eingelegten Intarsien können nur mit entsprechenden Klebstoffsystemen gefertigt werden. Insbesondere an Kanten entstehen Spannungen des Materials, auf die der verwendete Klebstoff abgestimmt werden muss. Die preisgünstige Massenfertigung von Möbeln ist ohne entsprechende Klebstoffe undenkbar.

Im Küchenbereich sind beschichtete Arbeitsplatten und Möbel in der Nähe von Herden bzw. Backöfen oft hohen Temperaturen ausgesetzt, denen auch die verbindenden Klebstoffe standhalten müssen.
Fenster und Türen im Außenbereich sind Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen ausgesetzt. Im Bereich der Klebefugen können Temperaturen bis 60 °C auftreten, die der Klebstoff aushalten muss.

 

Verleimte Dachbalken (Leimbinder) müssen dauerhaften statischen Belastungen standhalten. Erst nach einer extremen Belastungsprüfung (Dauer 10 Jahre) werden Klebstoffsysteme für diesen Anwendungsbereich amtlich zugelassen.

Polykondensations-, Dispersions- und Schmelzklebstoffe bieten Lösungen für diese unterschiedlichen Anforderungen:
Die Gruppe der Polykondensationsklebstoffe findet breite Anwendung bei der Herstellung von Span-, MDF- und Sperrholzplatten u.ä. Verbundwerkstoffen sowie in Bereichen des Holzleimbaus, insbesondere für tragende Holzkonstruktionen. UF-Harze werden heute auch verstärkt bei der Spanplattenveredelung für die Kaschierung mit Finish-Folien eingesetzt.

Dispersionsklebstoffe werden in großem Maße für die Oberflächenveredelung, Kaschierung im Kalt- oder Heißverfahren von Finish-Folien, Furnieren und HPL-Platten eingesetzt. Je nach Anwendung kommen hierbei PVAc-Dispersionen der unterschiedlichsten Beanspruchungsgruppen (D1 – D4) zum Einsatz. Der gesamte Bereich der Korpus-, Gestell- und Dübelverleimung ist ohne Dispersionsklebstoffe in der heutigen Form nicht denkbar.

Wässrige Polyurethan-Dispersionen werden fast ausschließlich für die 3D-Ummantelung von MDF-Trägermaterialien mit thermoplastischen Folien für die Herstellung von Fronten mit anspruchsvollstem Design eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete, bei welchen Dispersionsklebstoffe die heutige Fertigungstechnik bestimmen, sind die Parkettherstellung, Stäbchenverleimung, Keilzinkung, Brettfugenverleimung, Fensterkantelherstellung u.v.m. bis hin zu Montageklebungen.

Die Schmelzklebstoffe als weitere wichtige Klebstoffgruppe haben vor ca. 30 Jahren die Möbelproduktion "revolutioniert". Ohne diese Produkte wäre eine Serienmöbelproduktion unter den heutigen Gesichtspunkten, wie Ökonomie, Ökologie, Rationalität usw. nicht denkbar. Schmelzklebstoffe auf Basis Ethylenvinylacetat (EVA), Polyolefin und Polyurethan (PUR) spielen hierbei die dominierende Rolle. Im Bereich der Kantenveredelung, von der geraden Kante zum Softforming und Postforming bis hin zur Formteilveredelung, sind fast ausschließlich Schmelzklebstoffe im Einsatz. Ein weiterer großer Bereich, wo die Schmelzklebstofftechnologie die herausragende Rolle spielt, ist die Profil- und Paneelummantelung. Hierbei werden Profile aus Holzwerkstoffen, aber auch Kunststoff- und Metallträger, meist mit thermoplastischen Folien, beharzten Papierfolien und Furnieren veredelt. In untergeordnetem Maße werden Schmelzklebstoffe auch für Gehrungsverleimungen und Montageklebungen eingesetzt. Ein relativ neuer Anwendungsbereich ist die Fertigung von Parkettfußböden mit PUR-Schmelzklebstoffen.