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IVK_Kleben_fuers_Leben_2016

Doppeltes Missgeschick: Beim Staubwischen hatten Reinigungskräfte versehentlich den königlichen Kinnbart der zwölf Kilogramm schweren Tutanchamun Maske abgebrochen. Die 1922 vom britischen Archäologen Howard Carter im Tal der Könige bei Luxor entdeckte Totenmaske aus purem Gold ist eine der Hauptattraktionen der Sammlung des Museums. Um das Missgeschick zu verdecken und die Maske schnell wieder ausstellen zu können, wurde das rund 3.300 Jahre alte Artefakt unsachgemäß wieder angeklebt – mit einem schnellhärtenden baumarktüblichen Epoxidharz- Klebstoff. Das allerding machte die Sache nur noch schlimmer. Aufgrund der Der abgebrochene Kinnbart an der Totenmaske von Tutanchamun konnte dank deutschem Klebstoff-Know-how wieder angeklebt werden. unprofessionellen Anwendung hinterließ der Klebstoff hässliche Spuren mitten auf dem Gesicht des Pharaos. Bei dem Versuch, diese mit einem Spachtel zu entfernen, wurde die Maske zu allem Überdruss zerkratzt. Hilfe von deutschen Klebstoff- Experten Der ägyptische Minister für Altertümer schaltete sich daraufhin höchstpersönlich ein und bat ein deutsches Spezialistenteam aus Restauratoren um Hilfe. Doch auch diese waren mit der Aufgabe zunächst überfordert – bis weitere Unterstützung aus Deutschland folgte. Zwei Düsseldorfer Klebstoff-Experten auf dem Gebiet der Heißschmelzklebstoffe hatten durch Zeitungsberichte von der Beschädigung der Maske erfahren und direkt zum Hörer gegriffen, um den Restauratoren ihre fachmännische Hilfe anzubieten. Diese wurde dankbar angenommen. Spezialaufgabe erfordert Spezialklebstoff Nach umfangreichen Analysen ermittelten die beiden Experten zunächst ein Verfahren, um den stümperhaft aufgetragenen, irreversiblen Baumarkt Klebstoff rückstandsfrei von der Maske zu entfernen. Gleichzeitig entwickelten sie einen speziellen Hightech Klebstoff, der den hohen Anforderungen der Restaurierung und den anspruchsvollen klimatischen sowie räumlichen Gegebenheiten vor Ort gewachsen ist. Der Klebstoff musste beispielsweise leicht und vor allem ohne Rückstände abzulösen sein, den hohen Temperaturen in Ägypten sowie möglichen Erschütterungen beim Transport standhalten. Dazu wurde das antike Exponat zunächst in einem Simulationsmodell im Computer aufgebaut. Auf diese Weise ließen sich die Kräfte und Spannungszustände unter den verschiedenen gegebenen Lasten in der tatsächlichen Struktur errechnen. Die Forscher konnten dadurch vorhersagen, welche Materialeigenschaften der Klebstoff haben muss, um zuverlässig zu halten. Darüber hinaus brachten die physikalischen Messungen und das 3D-Modell auch eine Fülle neuer Erkenntnisse in Bezug auf die Herstellung und den Aufbau der Maske. Unter anderem entdeckten die Forscher eine goldene Röhre, mit der der Bart an der Maske befestigt wurde. Die alten Ägypter hatten dafür ebenfalls Klebstoff genutzt – genauer gesagt Bienenwachs. Klebstoff klebt pures Gold Die nächste Frage war dann: Womit lässt sich eigentlich pures Gold kleben? Einen solchen Klebstoff hatte nämlich niemand im Portfolio. Dafür musste extra ein industrieller Hochleistungs Schmelzklebstoff modifiziert werden. Mithilfe von Prüfkörpern aus vergoldetem Material wurde die Mechanik des Klebstoffs untersucht und Schritt für Schritt an die besonderen Ansprüche angepasst – bis Tutanchamuns Königsklebstoff schließlich gebrauchsfertig war. Insgesamt 500 Gramm der wertvollen Mischung ließen die Forscher in Deutschland produzieren und nach Kairo transportieren. So konnte der Bart an seinen angestammten Platz zurückkehren und die restaurierte Totenmaske in einer feierlichen Zeremonie endlich wieder der Weltöffentlichkeit präsentiert werden. 8_Kleben fürs Leben © Henkel Infobox „Pharaonenbart“ Gut zu wissen: Der „Pharaonenbart“ gilt als typisches Merkmal für den Pharao. Das war ein künstlicher, mit Bändern versehener Bart, der gewellt, trapezförmig oder gerade sein konnte. Er wurde an das Kinn des Pharaos gebunden. Da diesen Bart auch Götter trugen, sollte er die Göttlichkeit des Pharaos verdeutlichen.


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