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IVK_Kleben_fuers_Leben_2015

Kleine Mikrobe mit großer Wirkung: Das Süßwasserbakterium Caulobacter crescentus produziert den stärksten natürlichen Klebstoff, der bislang entdeckt wurde. 34_Kleben fürs Leben © norman blue - Fotolia.com ten einzelne Zellen in ein feines Röhrchen. Anhand der Saugkraft, die nötig war, um das Haftorgan der Mikrobe vom Glas zu trennen, konnten sie dann ablesen, wie stark deren natürlicher Klebstoff tatsächlich ist. Das Ergebnis war mehr als verblüffend: Um eine einzige Zelle von dem Glasstäbchen abzulösen, musste eine Kraft von rund einem Micronewton aufgewendet werden. Umgerechnet sind das knapp 70 Newton pro Quadratmillimeter. Das entspricht in etwa dem Druck, den drei Autos auf eine Fläche von der Größe einer Euromünze ausüben würden. Zum Vergleich: Herkömmliche, im Handel erhältliche Klebstoffe geraten schon bei maximal 18 bis 28 Newton pro Quadratmillimeter an ihre Leistungsgrenze. Zucker verleiht Kraft Was macht den Bakterien-Superklebstoff so viel leistungsfähiger als alle künstlich hergestellten Haftmittel? Das Geheimnis steckt im Detail. Das Haftorgan der Mikroben ist mit einer dünnen Schicht aus Polysacchariden überzogen. Bei diesen Zuckermolekülketten handelt es sich um einen sehr starken natürlichen Klebstoff, der sogar unter Wasser haftet. Von der Natur lernen Die Industrie zeigt großes Interesse an dem wetterfesten und leistungsstarken Superklebstoff. Im medizinischen Bereich könnte die Substanz zum Beispiel als biologisch abbaubarer Klebstoff für chirurgische Eingriffe genutzt werden. Auch in der Meerestechnologie und weiteren Anwendungsgebieten würde das natürliche Haftmittel gute Dienste leisten. Bevor der Bakterien-Klebstoff in die Massenproduktion gehen kann, ist aber weitere Forschungsarbeit erforderlich. Zunächst muss erst einmal die weitgehend unbekannte chemische Zusammensetzung entschlüsselt werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten noch mindestens zwei Jahrzehnte ins Land gehen bis die Herstellung des Bio-Klebstoffes beginnt.


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